Die Kameraden sahen ihn mit einer Art bewunderndem Staunen an: Sie wußten sehr wohl, daß dies keine leeren Worte waren.

Vatrenus wechselte das Thema. »Was für einen Tag haben wir heute?«

»Die Nonae des November«, antwortete Canidius. »Ist das so wichtig?«

»Vor drei Monaten um diese Stunde war Orestes gerade im Begriff, seinen Sohn dem Senat vorzustellen, und jetzt muß er ihn schon vor Odoakers Angriff schützen! Wenn Aurelius Glück hat, könnte er noch in finsterer Nacht eintreffen. Die Verstärkungen könnten dann im Morgengrauen aufbrechen und in zwei Tagen hier sein. Wenn Odoaker nicht schon sämtliche Pässe und Brücken hat besetzen lassen und wenn Orestes noch über treuergebene Truppen verfügt, die er sofort in Marsch setzen kann, und wenn ...«

Sein Redefluß wurde von dem Alarmgeschmetter, das von den Wachtürmen herunterdröhnte, und von den Rufen der Wachtposten unterbrochen: »Sie greifen an!«

Vatrenus reagierte wie auf einen Peitschenhieb. Er rief den Standartenträger: »Stellt die Insignien aus! Alle Mann auf die Gefechtsstände! Wurfmaschinen in Schußposition! Bogenschützen auf die Palisade! Legionäre der Nova Invicta, dieses Feld ist ein Zipfel Roms, heiliges Land der Vorfahren. Verteidigen wir es um jeden Preis! Zeigt diesen wilden Tieren, daß die römische Ehre noch lebendig ist!«

Er ergriff einen Wurfspieß und bezog seinen Posten auf den Erdwällen. Im selben Augenblick brach von den Hügeln herunter das Geschrei der heranflutenden Barbaren los, und Tausende und Abertausende von Reitern ließen mit ihrer wütenden Attacke die Erde erbeben. Sie zogen Karren und Lafetten hinter sich her; diese waren beladen mit zugespitzten Pfählen, die gegen die Befestigungsanlagen des römischen Lagers geschleudert werden sollten. Die Verteidiger drängten sich zur Palisade, spannten die Sehnen der Bogen und drückten krampfhaft die Spieße in der Faust. Sie waren blaß vor Anspannung, und ihre Stirn war feucht vom Nebel und von ihrem kalten Schweiß.



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