Claudianus streckte ihm die Hand entgegen, die er noch bewegen konnte: »Hör zu ... Odoaker will uns vernichten, weil wir ein Hindernis darstellen, das er um jeden Preis aus dem Weg räumen muß. Unsere Legion ist ein Überbleibsel aus der Vergangenheit, aber sie verbreitet immer noch Angst: Sie besteht ausschließlich aus Römern, aus Italern und Leuten aus den Provinzen des Römischen Reiches, und er weiß, daß sie ihm niemals gehorchen wird. Deshalb möchte er uns alle tot sehen. Geh, reite zu Orestes und sag ihm, daß wir umzingelt sind, daß wir verzweifelt Hilfe brauchen ...«

»Schick einen anderen, ich bitte dich«, antwortete Aurelius. »Ich möchte bleiben: Alle meine Freunde sind hier.«

»Nein, du gehorchst! Nur du kannst es schaffen. Geh und beeile dich, damit wir noch die Kontrolle über die Olubnabrücke behalten: Sie wird bestimmt ihr erstes Ziel sein, um uns von der Straße nach Piacenza abzuschneiden. Geh, bevor der Kreis sich schließt, und laß dich durch nichts und niemanden aufhalten! Orestes befindet sich in seiner Villa vor der Stadt, zusammen mit seinem Sohn, dem Kaiser. Unterdessen werden wir hier versuchen, Widerstand zu leisten.«

»Ich komme zurück«, erwiderte Aurelius. »Haltet durch, so gut ihr könnt.« Er drehte sich um. Hinter ihm starrte Batiatus schweigend seinen verwundeten Kommandanten an, der totenbleich auf der von Blut ganz rot gefärbten Pritsche lag. Aurelius brachte es nicht übers Herz, ihm etwas zu sagen. Er lief hinaus und ging zu Vatre-nus auf die Estrade: »Er hat mir befohlen, Verstärkung zu holen. Ich komme zurück, sobald ich kann. Haltet durch, haltet durch, wir können es schaffen.« Vatrenus nickte, ohne ein Wort hervorzubringen. Man konnte sehen, daß in seinem Blick keine Hoffnung lag und daß er sich darauf gefaßt machte, den Soldatentod zu sterben.

Mehr konnte Aurelius nicht sagen. Er steckte zwei Finger in den Mund und stieß einen Pfiff aus. Als Antwort kam ein Wiehern, und schon trottete ein gesattelter Fuchs auf die Erdwälle zu.



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