
Der Kommandant Claudianus wurde behutsam auf die Pritsche des Feldlazaretts gelegt, und ein Chirurg bereitete sich darauf vor, die in seiner Schulter steckende Pike herauszuziehen. Der Schaft war bereits abgesägt worden, um den Schaden zu begrenzen, aber das Eisen steckte unmittelbar unter dem Schlüsselbein fest, und es bestand die Gefahr, daß die Lunge in Mitleidenschaft gezogen war. Neben ihm brachte ein Helfer auf den Kohlen ein Eisen zum Glühen und machte sich bereit, die Wunde zu kauterisieren.
Unterdessen hallten die Erdwälle vom Alarmgeschrei und -geschmetter wider. Aurelius verließ das Feldlazarett und lief die Stufen hinauf, bis er Vatrenus gegenüberstand, der auf den Horizont starrte. Die ganze sichtbare Anhöhe der vor ihnen liegenden Hügel war schwarz vor Kriegern.
»Oh, ihr Götter!« murmelte Aurelius. »Das sind ja Tausende!«
»Geh zurück zum Kommandanten und berichte ihm, was gerade passiert. Ich glaube zwar nicht, daß uns noch eine große Wahl bleibt, aber sag ihm dennoch, daß wir seine Befehle erwarten.«
Aurelius kehrte in dem Augenblick ins Feldlazarett zurück, als der Chirurg gerade die Spitze der Pike aus der Schulter des verwundeten Kommandanten herauszog, und er sah, wie sich dessen altes Patriziergesicht dabei vor Schmerz verzerrte. Er trat näher an ihn heran. »General, die Barbaren greifen uns an: Es sind Tausende, und sie sind im Begriff, unser Lager zu umzingeln. Wie lauten deine Befehle?«
Aus der Wunde spritzte das Blut auf Gesicht und Hände des Chirurgen und seiner Helfer, die sich bemühten, sie zu tamponieren, während ein anderer, das glühende Eisen in der Hand, herantrat. Der Chirurg tauchte es in die Wunde, und der Kommandant Claudianus biß stöhnend die Zähne zusammen, um nicht zu schreien. Ein scharfer Geruch nach verbranntem Fleisch erfüllte den kleinen Raum, und von dem glühenden Eisen, das immer noch in der Wunde zischte, stieg dichter Rauch auf.
Aurelius sagte noch einmal: »Kommandant ...«
