Er hatte eine dichte Mähne roter Haare, die seitlich zu langen Zöpfen geflochten waren, er trug einen mit Fuchspelz verbrämten Umhang, der seine Schultern bedeckte, und sein Helm war mit einem Kranz kleiner silberner Totenschädel verziert. Es mußte sich um eine Persönlichkeit von gewissem Rang handeln. Ohne abzusteigen, wandte er sich an den Kommandanten Claudianus und sagte in einem ungeschliffenen, gurgelnden Latein: »Der edle Odoaker, der Führer der kaiserlichen Armee, befiehlt dir, das Kommando mir zu übertragen. Von heute an untersteht diese Abteilung mir!« Er warf ihm ein mit einem Lederband zugebundenes Pergament vor die Füße und fügte hinzu: »Hier ist dein Entlassungsbefehl mit dem Namen des Ortes, in dem du deinen Ruhestand verbringen wirst.«

Aurelius machte Anstalten, sich zu bücken, um ihn aufzuheben, aber der Kommandant stoppte ihn mit einer gebieterischen Geste. Claudianus kam aus einer alten aristokratischen Familie, die sich der direkten Abstammung von einem Helden aus republikanischer Zeit rühmen konnte, und die Gebärde des Barbaren kam für ihn einer sehr schwerwiegenden Beleidigung gleich. Ohne die Fassung zu verlieren, erwiderte er: »Ich weiß nicht, wer du bist, und es interessiert mich auch nicht. Befehle nehme ich nur vom edlen Flavius Orestes entgegen, dem obersten Befehlshaber der kaiserlichen Armee.«

Der Barbar wandte sich an seine Leute und rief: »Nehmt ihn fest!« Sie gehorchten, gaben ihren Pferden die Sporen und preschten mit gezückten Schwertern los. Offenkundig lautete der Befehl, alle zu töten. Die Wache reagierte, und gleichzeitig tauchte aus den Erdwällen des Lagers eine Einheit Bogenschützen mit abschußbereiten Pfeilen auf, die auf ein Zeichen des Vatrenus mit tödlicher Genauigkeit zielten. Die Reiter in der ersten Reihe wurden fast alle getroffen, aber das konnte die übrigen nicht aufhalten, die absprangen, um weniger Angriffsfläche zu bieten, und sich in großer Zahl auf die Wache des Claudianus stürzten.



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